Warnewanderung
geschrieben von Michael Zander am 18.5.2017

Auch für die Langenholzer unter den über 40 Teilnehmern an der Warnewanderung gab es einiges neu zu entdecken. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Hottensteiner Michael Zander konnten er und Hannelore und Jürgen Gernandt schon die erste wichtige Frage beantworten: Wo „entspringt“ eigentlich die Warne?

Die Warne hat aber keine definierte Quelle sondern entsteht durch den Zusammenfluss der Sichel und der Seckel. Die Sichel kommt aus Richtung Sack und unterquert die Straße nach Sack am oberen Ende des Grandplatzes und fließt am Grandplatz entlang. Hinter der Fußgängerbrücke zur Grenzstraße mündet ein Rohr mit der Seckel, die in der Seckelwiese auf der anderen Seite der Straße unterhalb des Ortsberges entspringt. Früher floss die Seckel offen quer über den Grandplatz bevor sie dann verrohrt wurde. Durch den Zusammenfluss von Sichel und Seckel beginnt an dieser Stelle die Warne. „Noch fließt hier Wasser“, erklärte Zander, aber schon in wenigen Wochen sei das Warnebett bis zum Gottesbrunnen vollständig ausgetrocknet.

Beim Krähengrund wurden die Wanderer auf die ersten drei Brücken über die Warne aufmerksam gemacht. „Insgesamt gibt es Langenholzen 32 Brücken über die Warne. Deshalb nennt man Langenholzen auch manchmal Klein-Venedig“, erzählte Zander. Hinter der Bushaltestelle erklärte Jürgen Gernandt die Bedeutung des ersten Hauses an der Warne. „In diesem früheren Gemeindehaus lebte von 1911 bis 1969 der Langenholzer Ziegenbock. 1911 hatte der Ziegenverein 82 Mitglieder mit 130 Ziegen, für die der Ziegenbock „zuständig“ war. 1969 gab es aber nur noch 5 Ziegen und der Verein wurde aufgelöst“, so Gernandt.

Gegenüber dem Warnebäcker steht es Fachwerkhaus aus dem Jahre 1813. In diesem Haus begann die Geschichte der heutigen Kurvertfabrik AWA Couvert. Im Jahre 1923 begann der Firmengründer August Wegner hier mit der Fertigung von Zigarettenpapier zum Selberdrehen. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich der größte Betrieb in Langenholzen, der heute als AWA Couvert an der August-Wegener-Straße am Ortseingang angesiedelt ist.

Etwas weiter flussabwärts erinnert ein Gedenkstein an den bedeutendsten Sohn Langenholzens: Johann Christoff Harenberg. Harenberg wurde am 24. April 1696 in Langenholzen geboren. Nach dem Studium an der Universität Helmstedt bekleidete er Ämter an den Universitäten Halle und Jena, war Rektor und Pastor und erhielt 1745 eine Anstellung als Professor an dem damals errichteten Collegium Carolinum zu Braunschweig. Sein Vermächtnis besteht aus insgesamt 86 Bücher, alle in lateinischer Sprache geschrieben.

Am Gottesbrunnen durften die Wanderer eine der privaten Brücken über die Warne betreten und staunten dabei über den wunderschönen Anblick weiterer liebevoll gestalteter Brücken über die Warne. Der Gottesbrunnen sieht aus wie ein eigefasster Dorfteich, er ist aber eine ungewöhnlich mächtige Quelle, die noch niemals versiegt ist. Hier erzählte Zander eine Sage über den Hakemann, einen Wassergeist, der den Gottesbrunnen bewacht. Hinter der Warne steht das ehemalige Wasserwerk, das viele Jahre die Wasserversorgung von Langenholzen sicherstellte und heute das Domizil der Hottensteiner ist.

Die Wanderung ging weiter vorbei an der alten „Senff-Schule“, der Gaststätte Dalmatiengrill zum Burghof. Der Burghof mit dem Hottenstein war der zentreale Dorfplatz, der Thie. Hier trafen sich zu bestimmten Tagen die Männer des Dorfes zum Bauernding. Es wurden wichtige Anliegen beraten, Grenzstreitigkeiten geschlichtet, Verwarnungen und Rügen erteilt. Am Hottenstein erzählte Zander die Sage von der „Schulenberger Kapelle“. Am Burghof gibt es zwei Bauernhöfe der Familien Fischer und Kraus. Bauer Henning Kraus erläuterte den Besuchern die Inschriften an der Scheune, die an den großen Brand von 1853 erinnerten. Am 12. Januar 1853 vernichtete ein Großbrand in Langenholzen insgesamt 20 Gebäude, davon 7 Höfe mit Scheunen und Ställen. Betroffen war auch der Burgfischer-Hof, der aber im gleichen Jahr wieder aufgebaut wurde und noch heute von der Familie Kraus bewirtschaftet wird. Hennin Kraus erzählte die besondere Geschichte des Wiederaufbaus. Neben dem Burgfischer-Hof wurde auch ein zweiter Hof Opfer der Flammen. der Besitzer des Hofes kündigte an, das Grundstück an den Nachbarn zu verkaufen. Daraufhin wurde ein neues großes Fachwerk für den neuen Hof mit Wohnhaus und Scheune gebaut. Als dieses fertig war widerrief der Nachbar aber seine Verkaufsabsicht. Damit war das Haus für das alte Grundstück viel zu groß. Es musste verkleinert und außerdem um 90 Grad gedreht werden und zeigt daher bis heute eine eher ungewöhnliche Anordnung von Haus und zugehöriger Scheune.

Als besonderer Höhepunkt konnte dann noch die ehemalige Mühle besichtigt werden. In dem großen Mühlengebäude waren Wohnhaus und Mühle vereint. Das Mühlrad ist nicht mehr vorhanden, aber man sieht noch gut den Graben, über den das Mühlrad angetrieben wurde. Auf dem Grundstück befand sich früher der Dorfdreschplatz mit der Dreschmaschine, wo die Bauern ihr Getreide dreschen konnten. Ebenso gab es dort ein Backhaus. Hannelore Gernandt erzählte, wie ihre Mutter insbesondere vor den großen Feiertagen mit großen Backblechen zur Backstube gegangen ist, um dort den Zuckerkuchen backen zu lassen. „Das war für uns Kinder immer ein besonderes Erlebnis, denn während der Backzeit konnten wir im Backhaus rumlaufen und ab und zu gab es auch etwas zu naschen“.

Die Wanderung endete dann unter dem Heiligenhölzchen bei der Firma AWA Couvert. Das alte Gebäude an der Warne beherbergte früher eine sogenannte Slipkothe (eine Anstalt zur Schärfung von landwirtschaftlichen Geräten), eine Ölmühle und die Drallesche Weberei. Für die Weberei wurde Strom mittels einer Turbine erzeugt, die durch das Wasser der Waren angetrieben wurde. Heute ist hier noch der Ausfluss des Turbinenwassers zu sehen.

Zum Abschluss der 3-stündigen Wanderung waren alle begeistert von den vielen nicht alltäglichen Ansichten entlang der Warne und nahmen viele ungewöhnliche Eindrücke mit nach Hause.

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